Frauen in der Landwirtschaft - vielseitig, innovativ, unverzichtbar

Frau schneidet Melone auf einem Melonenfeld

2026 steht ganz im Zeichen der Frauen in der Landwirtschaft. Die Vereinten Nationen haben es weltweit zum „International Year of the Woman Farmer“ erklärt.

Heute im Fokus: Anna Sophie Dittert, die seit zwei Jahren Betriebsleiterin eines Nebenerwerbsbetriebs ist, den sie von ihren Eltern übernommen hat. Anna Sophie Dittert hat drei Abschlüsse: Sie ist gelernte Landwirtin, Technikerin für Landbau und Beamtin am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck.

Frau Dittert, was zeichnet Ihren Hof aus?

Mein Mann und ich bewirtschaften Grünland sowie Ackerflächen in Luttenwang und haben uns auf den Anbau von Melonen und Kürbissen spezialisiert. Auf den Gedanken, Melonen anzubauen, sind wir über einen Kollegen gekommen – und es funktioniert! Außerdem mästen wir seit der Hofübergabe sogenannte Färsen, das sind weibliche Rinder und sie liefern besonders zartes Fleisch.

Welche Aufgabe auf dem Hof würde ohne Sie nicht, oder deutlich schlechter funktionieren?

Ich bin vor allem für die Tierhaltung und die Anzucht der Melonenpflanzen zuständig. Außerdem erledige ich die Büroarbeit und übernehme die Pflege unserer Social-Media-Kanäle – all diese Bereiche würden ohne mich nicht funktionieren.

Welches besondere Fachwissen oder welche Stärken bringen Sie in den Betrieb ein?

Durch meine landwirtschaftlichen Ausbildungen bringe ich viel Fachwissen im Bereich der Tierhaltung mit. Beim Umgang mit Behörden und Institutionen helfen mir zudem die Kenntnisse aus meiner Tätigkeit als Beamtin.

Nennen Sie eine Veränderung oder ein Projekt, das Sie initiiert haben – und was es bewirkt hat.

Ich habe mich stark für den Einbau einer Regenwasserzisterne bei uns am Betrieb eingesetzt, damit wir unsere Melonen mit Regenwasser gießen können. Auch wenn dies momentan noch keinen direkten monetären Mehrwert hat, die derzeitige Trockenheit zeigt, wie wichtig es ist, sparsam mit Wasser auch in der Landwirtschaft umzugehen.

Wie vereinbaren Sie Hofarbeit mit Familie oder anderen Verpflichtungen?

Alle Verpflichtungen lassen sich nur durch ein breites Netz an Unterstützung vereinbaren. Dieses besteht aus dem Ehepartner und der Familie, aber auch aus externer Betreuung durch Krippe, Kindergarten und Mittagsbetreuung. Auch die Möglichkeiten der Teilzeitarbeit und Homeoffice helfen, alles unter einen Hut zu bekommen. So bleibt nicht ganz so viel Zeit auf der Straße, sondern steht dann für die Familie und den Betrieb zur Verfügung.

Welche Bedeutung hat Ihre Arbeit auf die Einkünfte und die Zukunft des Betriebes?

Die Arbeit bei uns am Hof ist sehr vielvielfältig und für einen allein sehr aufwendig. Vieles kann nicht maschinell erledigt werden, daher wird jede Hand gebraucht und ist wichtig. Anders könnte der Hof in dieser Form nicht bestehen.

Welche Hürde oder welches Vorurteil haben Sie als Frau in der Landwirtschaft erlebt – und wie sind Sie damit umgegangen?

Mir als Frau wird oft das Fachwissen abgesprochen, vor allem von älteren, aber leider auch von gleichaltrigen Berufskollegen. Dagegen hilft nur, bei seinem Fachwissen zu bleiben und dies nach außen hin zu vertreten. Oftmals erhalte ich dann die Wertschätzung, wenn sie mich bei der Arbeit erleben.

Wie schätzen Sie die Ausbildungssituation für junge Frauen in der Landwirtschaft ein?

Sehr gut, wenn die Ausbilder bereit sind, junge Frauen einzustellen. Frauen haben ein anderes Verständnis z. B. für die Tierhaltung. Und häufig sind wir umsichtiger und denken weiter.

Gibt es Momente, in denen Sie besonders stolz darauf sind, was Sie und andere Landwirtinnen leisten?

Ich bin stolz, wenn die Wertschätzung der Kunden oder des Gegenübers bei mir ankommt!

Welche Botschaft möchten Sie Verbraucherinnen und Verbrauchern mitgeben?

Kauft, wenn möglich direkt beim Erzeuger oder der Erzeugerin, dadurch bleibt die Wertschöpfung in der Region!